Unkrautbekämpfung 2026: Wirkstoffverluste und Resistenzen fordern landwirtschaftliche Betriebe

Die Unkrautbekämpfung gehört in landwirtschaftliche Betriebe zum laufenden Betriebsmanagement. Aufgrund der vielfältigen Ursachen des Unkrautdrucks, ist eine erfolgreiche und wirksame Bekämpfung für Landwirte von großer Bedeutung. Meist ist die Unkrautbekämpfung an interne und externe Faktoren gekoppelt, die den Erfolg maßgeblich beeinflussen. In der aktuellen Trend-Befragung von agri experts zeigt sich, dass die Rahmenbedingungen anspruchsvoller werden: Vor allem weniger verfügbare Wirkstoffe, Herbizidresistenzen und regulatorische Anforderungen prägen die betriebliche Praxis. Viele Landwirtinnen und Landwirte setzen bereits auf einen Mix aus chemischen, mechanischen und ackerbaulichen Maßnahmen und zeigen Interesse an präziseren Verfahren.

Lesezeit: 9 Minuten | Team agri experts am 15. September 2026

Drohnenaufnahme eines Traktors, der unter strahlendem Sonnenschein in üppig grünen Weizenfeldern spritzt

Omnibus-Befragung zur Unkrautbekämpfung

Seit 2025 führt agri experts vierteljährlich Omnibus-Befragungen unter Landwirten in Deutschland durch. Ziel dabei ist es, aktuelle Entwicklungen, Herausforderungen und Stimmungen in der Landwirtschaft systematisch zu erfassen. Das Thema der aktuellen Omnibus-Befragung war die Unkrautbekämpfung.

Wie gehen landwirtschaftliche Betriebe aktuell mit Unkräutern und Ungräsern um, wo liegen die größten Schwierigkeiten und welche Lösungen könnten künftig an Bedeutung gewinnen? Insgesamt wurden 598 Landwirte aus Deutschland im Zeitraum vom 1. bis 29. Juli 2026 befragt. Diese wurden über das agri experts Panel rekrutiert oder sind Abonnentinnen und Abonnenten der Fachmedien des Deutschen Landwirtschaftsverlages.

Unkrautdruck und Problemarten

23 % der befragten Landwirte berichten von einem eher hohen und weitere 5 % von einem sehr hohen Unkraut- bzw. Ungrasdruck. Damit sieht mehr als jeder vierte befragte Landwirt einen erhöhten Problemdruck.

Die Problemarten zeigen ein klares Spitzenduo: Disteln und Ackerfuchsschwanz werden jeweils von 54 % als aktuell größte Problemarten genannt. Dahinter folgen Melde bzw. Gänsefuß mit 38 %, Kamille mit 31 % und Hirsearten mit 30 %. Nur 3 % geben an, keine besonderen Problemarten zu haben.

Häufigste Problemunkräuter und -ungräser; n = 598. Quelle: agri experts Trend-Befragung Unkrautbekämpfung 2026.
© agri experts | Diagramm zu den häufigsten Problemunkräuter und -ungräser

Die Ergebnisse sprechen dafür, dass Unkrautbekämpfung für viele Betriebe kein singuläres Problem einzelner Arten ist. Vielmehr treffen klassische Problemunkräuter und schwer kontrollierbare Ungräser aufeinander, jeweils mit entsprechend unterschiedlichen Anforderungen an Wirkstoffe, Fruchtfolge und mechanische Verfahren.

Welche Maßnahmen setzen Betriebe heute ein?

Mit 78 % bleiben Herbizide die am häufigsten genannte Maßnahme. Gleichzeitig werden ackerbauliche und mechanische Verfahren breit eingesetzt: Jeweils rund 60 % pflügen oder grubbern, 58 % nutzen Zwischenfrüchte und 48 % eine angepasste Fruchtfolge. Spätere oder angepasste Saattermine nennen 40 % der befragten Landwirte. Die betriebliche Praxis ist somit deutlich von kombinierten Ansätzen geprägt.

Aktuell eingesetzte Maßnahmen zur Unkrautbekämpfung; n = 598, Mehrfachnennungen möglich. Quelle: agri experts Trend-Befragung Unkrautbekämpfung 2026.
© agri experts | Diagramm zu den aktuell eingesetzten Maßnahmen zur Unkrautbekämpfung

Es zeigt sich: Chemische Unkrautbekämpfung spielt weiterhin eine zentrale Rolle in vielen Betrieben. In den sonstigen Einzelnennungen (n = 21) werden integrierte Ansätze beschrieben, bei denen chemische, mechanische und ackerbauliche Maßnahmen kombiniert werden. Zugleich betonen die befragten Landwirte, dass die Eignung einzelner Verfahren stark von Standort, Boden, Kultur und Bewirtschaftungssystem abhängt. Mechanische Verfahren werden teils positiv bewertet, stoßen je nach Steinbesatz, Erosionsrisiko, Zahl der Überfahrten und Arbeitswirtschaft jedoch auch an Grenzen.

Wichtigsten Faktoren bei der Maßnahmenwahl zur Unkrautbekämpfung

Bei der Wahl einer Maßnahme zur Unkrautbekämpfung steht die Wirkungssicherheit mit 65 % klar an erster Stelle. Es folgen die langfristige Vermeidung von Resistenzen (40 %), Kosten (39 %) und Kulturverträglichkeit (38 %). Für 26 % der befragten Landwirte zählt außerdem eine einfache Umsetzung im Betrieb. Gesetzliche Vorgaben und die Verfügbarkeit vorhandener Technik werden von jeweils 14 % der Landwirte genannt und die Reduzierung des Herbizideinsatzes von 12 %.

Damit konzentriert sich die Maßnahmenwahl vor allem auf unmittelbare praxisrelevante Kriterien: Eine Lösung muss zuverlässig wirken, Resistenzentwicklungen möglichst vorbeugen, wirtschaftlich vertretbar und für die jeweilige Kultur geeignet sein. Weitergehende Ziele wie die Reduzierung des Herbizideinsatzes spielen ebenfalls eine Rolle, sind bei der konkreten Auswahl jedoch seltener ausschlaggebend.

Mit der Wirkung ihrer aktuellen Unkrautbekämpfung sind 45 % eher oder sehr zufrieden. 40 % antworten mit „teils / teils“, während 15 % eher oder sehr unzufrieden sind. Die hohe mittlere Bewertung deutet darauf hin, dass die vorhandenen Verfahren grundsätzlich funktionieren, ihre Wirkung aber nicht für alle Betriebe gleichermaßen zufriedenstellend ist.

Wirkstoffverfügbarkeit und Resistenzen als zentrale Herausforderungen

Besonders deutlich werden die Spannungsfelder bei den wahrgenommenen Schwierigkeiten. Unter den befragten Landwirten nennen 61 % weniger verfügbare Wirkstoffe als die häufigste wahrgenommene Schwierigkeit. Es folgen Herbizidresistenzen mit 43 %, sowie gesetzliche Auflagen und Dokumentation mit 41 %. Hohe Kosten nennen 32 % und eine unzureichende Wirkung der Maßnahmen 28 % der befragten Landwirte.

Größte Schwierigkeiten bei der Unkrautbekämpfung; n = 598, Mehrfachnennungen möglich. Quelle: agri experts Trend-Befragung Unkrautbekämpfung 2026.
© agri experts | Diagramm zu den größten Schwierigkeiten bei der Unkrautbekämpfung

Auch die direkte Abfrage zu Herbizidresistenzen spiegelt die Relevanz des Themas wider. Bei 12 % der befragten Landwirte wurden Resistenzen nach eigener Angabe im Labor nachgewiesen und weitere 29 % vermuten Resistenzen auf ihrem Betrieb. Zusammengenommen berichten damit 41 % der Landwirte von nachgewiesenen oder vermuteten Hinweisen auf Herbizidresistenzen. 11 % der befragten Landwirte gaben an, die Situation nicht beurteilen zu können, 6 % der Befragten setzen keine Herbizide ein und 42 % der Landwirte sehen keine entsprechenden Hinweise.

In den offenen Einzelnennungen der Befragten (n = 247) mit laborbestätigten oder vermuteten Resistenzen wird besonders häufig Ackerfuchsschwanz genannt. Als weitere Unkräuter bzw. Ungräser werden unter anderem Weidelgras, Disteln, Hirse, Gänsefuß, Trespen, Quecke und Windhalm aufgeführt. Dies lässt darauf schließen, dass Resistenzprobleme zwar von einer Art dominiert werden, die Betriebe jedoch von einem breiteren Spektrum an Unkräutern und Ungräsern betroffen sein können.

Welche neuen Verfahren sind interessant?

Die Ergebnisse zeigen eine grundsätzliche Offenheit gegenüber neuen oder alternativen Verfahren der Unkrautbekämpfung unter den befragten Landwirten. Das größte Interesse der Landwirte liegt mit 32 % auf der teilflächenspezifischen Herbizidapplikation. Dahinter folgen die Kombination mechanischer und chemischer Bekämpfung, beispielsweise Hacke plus Bandspritze (27 %), sowie ein stärkerer Einsatz von Zwischenfrüchten (26 %). Spot-Spraying wird von 24 %, KI-basierte Unkrauterkennung von 22 % und Drohnen- oder Satellitendaten zur Unkrauterkennung von 20 % der befragten Landwirte als interessant empfunden.

Interesse an neuen oder alternativen Verfahren zur Unkrautbekämpfung; n = 598, Mehrfachnennungen möglich. Quelle: agri experts Trend-Befragung Unkrautbekämpfung 2026.
© agri experts | Diagramm zu den Interessen an neuen oder alternativen Verfahren zur Unkrautbekämpfung

Die Ergebnisse beschreiben ein breitgefächertes Interesse der befragten Landwirte an neuen oder alternativen Verfahren zur Unkrautbekämpfung. Besonders gefragt sind Lösungen, die Anwendungen präziser machen oder chemische und mechanische Ansätze verbinden. Dies lässt sich als pragmatische Suche nach wirksamen, betrieblich integrierbaren Verfahren interpretieren.

Was Innovationen in der Praxis leisten müssen

Technische Neuheit allein reicht nicht aus. Bei der Frage, was eine neue Lösung erfüllen müsste, stehen Wirtschaftlichkeit und Wirkung an erster Stelle: 62 % der befragten Landwirte fordern ein gutes Kosten-Nutzen-Verhältnis und 58 % eine nachweislich gute Wirkung. Für 38 % der Landwirte ist außerdem wichtig, dass eine Lösung auch auf kleineren oder unregelmäßigen Schlägen eingesetzt werden kann. 27 % der Befragten nennen die Kompatibilität mit vorhandener Technik.

Anforderungen an neue Lösungen zur Unkrautbekämpfung; n = 598, Mehrfachnennungen möglich. Quelle: agri experts Trend-Befragung Unkrautbekämpfung 2026.
© agri experts | Diagramm zu den Anforderungen an neue Lösungen zur Unkrautbekämpfung

Das Ergebnis setzt einen klaren Praxismaßstab: Innovationen müssen nicht nur technologisch überzeugen, sondern sich wirtschaftlich und organisatorisch in bestehende Betriebsabläufe einfügen. Kriterien wie einfache Bedienung (19 %), weniger Herbizideinsatz (19 %) oder geringerer Arbeitszeitbedarf (16 %) sind ebenfalls relevant, liegen aber weit hinter Kosten-Nutzen-Verhältnis und Wirksamkeit.

Unkrautsituation erzwingt betriebliche Veränderungen

Die Unkrautsituation bleibt nicht ohne Konsequenzen für die Betriebsführung. 52 % der Befragten geben an, dass sie auf ihrem Betrieb bereits gravierende Änderungen erzwungen hat. Unter den Befragten mit erzwungenen betrieblichen Veränderungen aufgrund der Unkrautsituation ist die Umstellung der Fruchtfolge mit 65 % die häufigste Reaktion. 30 % der befragten Landwirte investierten in mechanische Unkrautbekämpfung und 20 % ließen Teilflächen brachliegen. Flächentausch und die Auslagerung an Dienstleister werden jeweils von 11 % genannt, Investitionen in Spezialtechnik für den chemischen Pflanzenschutz von 8 %.

Bei einem relevanten Teil der Betriebe beeinflusst der Unkrautdruck bereits Fruchtfolge, Investitionen und Flächennutzung, womit die Wirkung des Unkrautdrucks über einzelne Pflanzenschutzentscheidungen hinausreicht.

Die Einzelnennungen der befragten Landwirten (n = 91) in Bezug auf weitere Themen zur Unkrautbekämpfung lassen ein breites Stimmungsbild erkennen. Unter den kritischeren Stimmen wurden häufig Themen wie Wirkstoffverluste, langsame Zulassungen, Resistenzprobleme und regulatorischen Nachteilen genannt. Positivere Stimmen betonen Fruchtfolge, Bodenbearbeitung, Direktsaat, mechanische Verfahren und einzelbetriebliche Zufriedenheit. Ergänzend werden hohe Maschinenkosten, fehlende kleinere Gerätegrößen und Verbesserungen bei der Reinigungstechnik angesprochen. Einzelne Befragte wünschen sich außerdem mehr Feldtage, bessere Unkrautbestimmung und unabhängige Beratung. Andere berichten, dass sie mit den vorhandenen Mitteln gut zurechtzukommen.

Was sind die zentralen Erkenntnisse?

Die Trend-Befragung zeichnet das Bild einer Unkrautbekämpfung im Wandel. Der Einsatz von Herbiziden ist weiterhin weit verbreitet, gleichzeitig kombinieren viele Betriebe chemische Verfahren mit Bodenbearbeitung, Zwischenfrüchten, Fruchtfolgeanpassungen und weiteren ackerbaulichen Maßnahmen. Bei der konkreten Maßnahmenwahl ist die Wirkungssicherheit das mit Abstand wichtigste Kriterium. Doch auch Resistenzvermeidung, Kosten und Kulturverträglichkeit prägen die Entscheidung. Parallel verschärfen eine geringere Wirkstoffverfügbarkeit, Resistenzhinweise bzw. nachgewiesene Resistenzen und regulatorische Anforderungen die Rahmenbedingungen.

Bei neuen Lösungen steht daher weniger die Innovation um ihrer selbst willen im Vordergrund. Entscheidend sind eine verlässliche Wirkung, Wirtschaftlichkeit und Praxistauglichkeit. Das vergleichsweise hohe Interesse an teilflächenspezifischen Anwendungen, kombinierten Verfahren und digital gestützter Unkrauterkennung deutet darauf hin, dass insbesondere präzisere und integrierbare Ansätze Potenzial besitzen.

Struktur der befragten Betriebe

Die Stichprobe der befragten Landwirte lässt sich mit folgenden soziodemographischen Merkmalen beschreiben:

  • Betriebszweige: Ackerbau bzw. Marktfruchtbau (90 %)
  • Häufigsten Kulturen: Winterweizen (81 %), Mais (68 %), Wintergerste (64 %) und Grünland (52 %)
  • Betriebsgröße: größtenteils zwischen 21 bis 200 ha (69 %)
  • Betriebsrichtung: 88 % wirtschaften konventionell

Fazit

  • 28 % bewerten den Unkraut- bzw. Ungrasdruck auf ihrem Betrieb als eher hoch oder sehr hoch.
  • Disteln und Ackerfuchsschwanz sind mit jeweils 54 % die am häufigsten genannten Problemarten.
  • Herbizide bleiben mit 78 % die verbreitetste Maßnahme, werden jedoch vielfach mit mechanischen und ackerbaulichen Ansätzen kombiniert.
  • Bei der Maßnahmenwahl zählen vor allem Wirkungssicherheit (65 %), Resistenzvermeidung (40 %), Kosten (39 %) und Kulturverträglichkeit (38 %).
  • Weniger verfügbare Wirkstoffe (61 %), Herbizidresistenzen (43 %) sowie gesetzliche Auflagen und Dokumentation (41 %) bilden die größten wahrgenommenen Schwierigkeiten.
  • 41 % berichten von laborbestätigten oder vermuteten Hinweisen auf Herbizidresistenzen.
  • Bei neuen Lösungen zählen vor allem Wirtschaftlichkeit (62 %) und nachweislich gute Wirkung (58 %).
  • Bei 52 % der befragten Landwirte hat die Unkrautsituation bereits betriebliche Änderungen erzwungen.

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Als Full-Service Marktforschungsdienstleister führt agri experts Befragungen in der Agrarbranche durch. Dabei decken wir das gesamte Spektrum der quantitativen und qualitativen Marktforschung ab. Als Teil des Deutschen Landwirtschaftsverlags erreichen wir über die Agrarbranche hinaus auch Zielgruppen im Bereich Forstwirtschaft, Jagd, Imkerei und ökologisches Gärtnern. Mit unserem eigenen Online-Access Panel und den Datenbanken des Deutschen Landwirtschaftsverlages können wir eine hohe Datenqualität und Flexibilität gewährleisten.