Krise in der Landwirtschaft 2026: Studie zeigt größte Herausforderungen deutscher Betriebe

In den letzten Jahren haben tiefgreifende Veränderungen auf globaler und gesellschaftlicher Ebene die Bedingungen für landwirtschaftliche Betriebe deutlich erschwert. Insbesondere klimatische Extreme sowie internationale Spannungen treiben die Kosten für zentrale Betriebsmittel wie Energie und Düngemittel in die Höhe. Diese Entwicklungen betreffen jedoch nicht nur die Landwirtschaft selbst, sondern entfalten ihre Wirkung entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Sie spiegeln sich unter anderem in der Preisgestaltung, der Verfügbarkeit und der Beschaffenheit von Nahrungsmitteln wider und beeinflussen zugleich die Kaufentscheidungen der Verbraucherinnen und Verbraucher.

Lesezeit: 8 Minuten | Team agri experts am 29. Juli 2026

Landwirtschaft in der Krise: Herausforderungen zum Beispiel durch vertrockneter Mais aufgrund anhaltender Hitzeperioden

Krise in der Landwirtschaft

Die gesellschaftlichen, politischen und sozialen Veränderungen der vergangenen Jahre haben spürbare Auswirkungen auf die Landwirtschaft. Neben zunehmenden Extremwetterereignissen tragen auch geopolitische Entwicklungen, wie internationale Konflikte, zu steigenden Dünge- und Energiepreisen bei. Darüber hinaus führt der wachsende Einfluss von Tier- und Umweltschutzorganisationen zu strengeren gesetzlichen Vorgaben, die häufig mit erheblichen Investitionen, etwa für Umbaumaßnahmen oder Betriebserweiterungen, verbunden sind. Gleichzeitig bestehen seitens der Gesellschaft Erwartungen an stabile und möglichst niedrige Lebensmittelpreise.

Diese Entwicklungen führen zu einem steigenden wirtschaftlichen Druck auf landwirtschaftliche Betriebe, dem nicht alle Akteure dauerhaft standhalten können, was sich unter anderem in Betriebsaufgaben widerspiegelt. Die Herausforderungen in der Landwirtschaft sind dabei nicht isoliert zu betrachten, sondern betreffen die gesamte Gesellschaft. Veränderungen in der landwirtschaftlichen Produktion wirken sich auf Preise, Verfügbarkeit und Qualität von Lebensmitteln sowie auf das Konsumverhalten aus.

Vor diesem Hintergrund gewinnt die Frage an Bedeutung, welche Herausforderungen von Landwirtinnen und Landwirten als besonders relevant wahrgenommen werden und welche Erwartungen und Unsicherheiten sie in Hinblick auf die zukünftige Entwicklung ihrer Betriebe formulieren.

Forschungsprojekt „Landwirtschaft in der Krise?“

Die Landwirtschaft befindet sich gegenwärtig in einem Spannungsfeld vielfältiger Transformationsprozesse, die über einzelne Krisenphänomene hinausgehen. Im Rahmen des Forschungsprojekts „Landwirtschaft in der Krise?“ der Universität Osnabrück unter Leitung von Prof. Dr. Martin Franz, Institut für Geographie, und Prof. Dr. Hajo Holst, Institut für Sozialwissenschaften, wurden von agri experts insgesamt 842 Landwirtinnen und Landwirte zu politischen, gesellschaftlichen, ökologischen und ökonomischen Aspekten ihrer betrieblichen Situation befragt. Ergänzend wurden soziodemografische Daten erhoben, um eine differenzierte Einordnung der Ergebnisse zu ermöglichen.

Die Untersuchung ist in einen breiteren Kontext einzuordnen: Landwirtschaft wird zunehmend als Teil globaler Transformationsdynamiken verstanden, die unter anderem durch den Klimawandel, veränderte Konsumgewohnheiten sowie politische Regulierungen geprägt sind. Während Verbraucherinnen und Verbraucher die Auswirkungen häufig indirekt wahrnehmen, etwa durch Preisveränderungen oder eingeschränkte Verfügbarkeit bestimmter Produkte, manifestieren sich diese Entwicklungen für landwirtschaftliche Betriebe unmittelbar im Arbeitsalltag.

Zwar war die Landwirtschaft historisch stets mit Unsicherheiten konfrontiert, etwa durch Witterungseinflüsse oder Krankheitsausbrüche, jedoch zeichnet sich die aktuelle Situation durch die Gleichzeitigkeit und Intensität verschiedener Einflussfaktoren aus. Vor diesem Hintergrund erscheint es besonders relevant, die Perspektiven der landwirtschaftlichen Akteure systematisch zu erfassen, um fundierte Grundlagen für politische und gesellschaftliche Entscheidungsprozesse zu schaffen.

Wirtschaftliche Lage der Landwirtschaft

Die Ergebnisse der Befragung zeichnen ein differenziertes Bild der wirtschaftlichen Situation landwirtschaftlicher Betriebe sowie der wahrgenommenen Auswirkungen zentraler Herausforderungen in den vergangenen fünf Jahren. Rund ein Drittel der Befragten äußert Sorgen hinsichtlich der zukünftigen Sicherung des eigenen Lebensstandards, während 30 % angeben, bei entsprechender Gelegenheit eine außerlandwirtschaftliche Erwerbstätigkeit in Betracht zu ziehen. Gleichzeitig bewerten 39 % ihren Betrieb als wirtschaftlich stabil, obwohl 56 % berichten, dass sich ihre wirtschaftliche Lage in den letzten Jahren nicht verbessert hat.

Balkendiagramm mit drei Aussagen zur Bewertung auf einer 5er-Skala von "Stimme völlig zu" bis "Stimme gar nicht zu" zur Frage "Wie ist ihre persönliche wirtschaftliche Lage?"

Die Einschätzungen zu den Auswirkungen sozioökonomischer Herausforderungen verdeutlichen, dass insbesondere kosten- und marktbezogene Faktoren als stark belastend wahrgenommen werden. So berichten große Anteile der Befragten von erheblichen Auswirkungen durch steigende Kosten für Betriebsmittel (84 %) sowie durch niedrige Produktpreise (81 %). Auch erhöhte behördliche Auflagen (80 %) und steigende Energiepreise (71 %) werden mehrheitlich als große Herausforderungen eingeschätzt.

Balkendiagramm zur Frage "Wie groß waren die Auswirkungen der folgenden Herausforderungen auf Ihren Betrieb in den letzten fünf Jahren?" mit verschiedenen Aussagen und einer Bewertung auf einer 5er-Skala von "Sehr starke Auswirkungen" bis "Keine Auswirkungen"

Ergänzend weisen die Ergebnisse auf strukturelle Besonderheiten der Marktorganisation hin: 90 % der Befragten stimmen der Aussage zu, dass große Einzelhandelsketten maßgeblichen Einfluss auf die Preisbildung landwirtschaftlicher Produkte ausüben. Gleichzeitig werden steigende Anforderungen an Produktqualität sowie Umwelt- und Nachhaltigkeitsstandards als relevante Herausforderungen benannt, wobei eine Diskrepanz zur wahrgenommenen Zahlungsbereitschaft der Verbraucherinnen und Verbraucher besteht.

Balkendiagramm zur Frage "Wie ist die wirtschaftliche Lage Ihres Betriebs?" mit verschiedenen Aussagen zur Bewertung auf einer 5er-Skala von "Stimme völlig zu" bis "Stimme gar nicht zu"

Insgesamt legen die Ergebnisse nahe, dass die wirtschaftliche Situation landwirtschaftlicher Betriebe wesentlich durch externe strukturelle Rahmenbedingungen geprägt ist, während die betrieblichen Handlungsspielräume als eingeschränkt wahrgenommen werden.

Bewältigungsstrategien für betriebliche Herausforderungen

Im Hinblick auf betriebliche Herausforderungen berichteten die befragten landwirtschaftlichen Betriebe, in den vergangenen Jahren verschiedene Maßnahmen zu deren Bewältigung umgesetzt zu haben. Den größten Stellenwert nahmen dabei energiebezogene Maßnahmen ein: Eine Mehrheit von 71 % der Befragten gab an, Initiativen zur Steigerung der Energieeffizienz, zur Reduktion des Energieverbrauchs oder zur Eigenproduktion von Energie umgesetzt zu haben.

Balkendiagramm zur Frage "In welchen Bereichen haben Sie in den letzten fünf Jahren Maßnahmen umgesetzt, um die Herausforderungen für Ihren Betrieb zu bewältigen?" mit Aussagen und den Antwortmöglichkeiten "Ja" oder "Nein"

Darüber hinaus wurden Maßnahmen zur Verbesserung des Umweltschutzes sowie zur Steigerung des Tierwohls von 60 % der Befragten ergriffen. Ebenfalls relevant ist die Einführung neuer Technologien: 55 % der Betriebe investierten in Automatisierungs- und/oder Digitalisierungsmaßnahmen, was die zunehmende Bedeutung technologischer Innovationen unterstreicht.

Im Vergleich dazu sind strukturelle Anpassungen weniger verbreitet. Jeweils 31 % der Befragten berichteten von einem Wechsel der produzierten Güter oder der Einstellung einzelner Betriebsbereiche. Der Eintritt in Erzeugergemeinschaften, -zusammenschlüsse oder -organisationen wurde von 22 % der Betriebe genannt.

Eine weitere Möglichkeit zur Bewältigung aktueller und zukünftiger Herausforderungen besteht in der strategischen Neuausrichtung des Betriebs, einzelner Produktionsverfahren oder des Produktportfolios. 43 % der Befragten gaben an, dass eine solche Neuausrichtung derzeit nicht erforderlich sei. Demgegenüber bewerteten 27 % eine Neuausrichtung als grundsätzlich notwendig, planten diese jedoch aktuell nicht. Weitere 13 % der Betriebe haben bereits eine entsprechende Neuausrichtung vorgenommen.

Kreisdiagramm zur Frage "Eine mögliche Reaktion auf Herausforderungen und sich ändernde Anforderungen des Marktes, der Politik und der Konsumierenden ist eine Neuausrichtung des Hofes in Bezug auf die Produktionsweise oder die produzierten Güter. Wie sieht das für Ihren Hof aus?"

Insgesamt verdeutlichen die Ergebnisse, dass ein breites Spektrum an Anpassungsmaßnahmen genutzt wird. Gleichzeitig zeigen sie, dass grundlegende strukturelle Veränderungen bislang seltener umgesetzt werden und teilweise als notwendig erachtet, jedoch nicht aktiv verfolgt werden.

Auswirkungen betrieblicher Herausforderungen

Die Ergebnisse zeigen, dass die gesellschaftliche Wahrnehmung landwirtschaftlicher Arbeit von den Befragten differenziert eingeschätzt wird. Lediglich 18 % der befragten Landwirtinnen und Landwirte fühlen sich in ihrer Tätigkeit gesellschaftlich (sehr) wertgeschätzt. Ein Anteil von 43 % gibt an, zumindest teilweise Anerkennung zu erfahren, während 39 % ihre Arbeit als eher gering oder gar nicht wertgeschätzt wahrnehmen.

Kreisdiagramm zur Frage "Was meinen Sie, wie schaut die Gesellschaft auf Ihre Arbeit? In welchem Maße wird Ihre Arbeit gesellschaftlich anerkannt oder wertgeschätzt?"

Hinsichtlich der erwarteten Auswirkungen betrieblicher Herausforderungen zeigt sich ein klares Bild: Die Befragten rechnen insbesondere mit starken bis sehr starken Auswirkungen durch ökonomische und regulatorische Faktoren. Dazu zählen vor allem geringe Produktpreise (86 %), erhöhte behördliche Auflagen (85 %) sowie steigende Kosten für Betriebsmittel (83 %). Auch steigende Energiepreise (72 %) und wachsende gesellschaftliche Anforderungen im Bereich Umwelt- und Tierschutz (72 %) werden von einer Mehrheit der Betriebe als bedeutende Einflussfaktoren eingeschätzt.

Balkendiagramm zur Frage "Von welchen Herausforderungen erwarten Sie in den nächsten fünf Jahren die größten Auswirkungen auf Ihren Betrieb?" mit verschiedenen Antworten zur Bewertung auf einer 5er-Skala von "Sehr starke Auswirkungen" bis "Keine Auswirkungen"

Die vergleichsweise gering wahrgenommene gesellschaftliche Wertschätzung steht dabei in einem möglichen Zusammenhang mit der Einschätzung zukünftiger Belastungen. So erwarten viele Betriebe insbesondere wirtschaftliche, rechtliche und gesellschaftliche Einschränkungen. Demgegenüber werden natur- und umweltbezogene Risiken wie Extremwetterereignisse, Tierseuchen, Beeinträchtigungen des Grundwassers oder eine Verschlechterung der Bodenqualität im Vergleich zu sozioökonomischen Einflussfaktoren als weniger gravierend bewertet.

Insgesamt verdeutlichen die Ergebnisse, dass die Herausforderungen aus Sicht der Befragten primär durch externe ökonomische und regulatorische Rahmenbedingungen geprägt sind, während ökologische Risiken eine vergleichsweise geringer Priorität in der Wahrnehmung einnehmen.

Was sind die zentralen Erkenntnisse?

Die Ergebnisse der Untersuchung zeichnen ein konsistentes Gesamtbild einer Landwirtschaft, die sich in einem komplexen Transformationsprozess befindet. Die Herausforderungen ergeben sich dabei weniger aus einzelnen Krisenereignissen als vielmehr aus dem gleichzeitigen Zusammenwirken ökonomischer, politischer, ökologischer und gesellschaftlicher Einflussfaktoren. Diese Mehrdimensionalität führt zu einer dauerhaften Belastungssituation, die von den befragten Betrieben als strukturell und nicht kurzfristig lösbar wahrgenommen wird.

Im Zentrum der Problemwahrnehmung stehen insbesondere ökonomische und regulatorische Rahmenbedingungen. Steigende Kosten, niedrige Produktpreise sowie zunehmende gesetzliche Anforderungen begrenzen die wirtschaftlichen Handlungsspielräume erheblich. Gleichzeitig sehen sich die Betriebe mit steigenden gesellschaftlichen Erwartungen konfrontiert, insbesondere im Bereich Umwelt- und Tierschutz. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass diese Erwartungen häufig nicht mit entsprechenden Marktanreizen oder einer höheren Zahlungsbereitschaft einhergehen.

Die analysierten Anpassungsstrategien zeigen, dass landwirtschaftliche Betriebe durchaus aktiv auf die Herausforderungen reagieren. Der Fokus liegt dabei vor allem auf Effizienzsteigerungen, technologischer Modernisierung sowie ökologischen Verbesserungen. Tiefgreifende strukturelle Veränderungen – etwa grundlegende Neuausrichtungen oder Kooperationen – werden hingegen seltener umgesetzt, obwohl sie teilweise als notwendig eingeschätzt werden.

Ein weiteres zentrales Ergebnis ist die vergleichsweise gering wahrgenommene gesellschaftliche Wertschätzung. Diese verstärkt das Spannungsfeld zwischen externen Anforderungen und betrieblicher Realität und kann langfristig Auswirkungen auf die Motivation und Zukunftsperspektiven der Betriebe haben.

Insgesamt verdeutlichen die Ergebnisse, dass die Landwirtschaft vor der Herausforderung steht, sich unter begrenzten Handlungsspielräumen an tiefgreifende externe Veränderungen anzupassen. Nachhaltige Lösungsansätze erfordern daher ein Zusammenspiel von betrieblicher Anpassung, politischen Rahmenbedingungen und gesellschaftlicher Einbettung.

Fazit

Die vorliegenden Ergebnisse zeichnen ein differenziertes Bild der aktuellen Situation in der Landwirtschaft. Während zahlreiche Betriebe bereits Anpassungsmaßnahmen ergriffen haben, bleibt der strukturelle Druck durch externe Rahmenbedingungen weiterhin hoch. Insbesondere ökonomische Faktoren, regulatorische Anforderungen und gesellschaftliche Erwartungen prägen die Wahrnehmung der Befragten.

Zugleich wird deutlich, dass die Handlungsspielräume auf betrieblicher Ebene begrenzt sind und grundlegende Veränderungen häufig nicht umgesetzt werden, obwohl sie teilweise als notwendig erachtet werden. Die Diskrepanz zwischen gesellschaftlichen Anforderungen und wirtschaftlichen Realitäten stellt dabei eine zentrale Herausforderung dar.

✅ Die Landwirtschaft befindet sich in einem strukturellen Transformationsprozess, geprägt vom Zusammenwirken mehrerer externer Einflussfaktoren
✅ Ökonomische und regulatorische Rahmenbedingungen stellen die zentralen Belastungsfaktoren für landwirtschaftliche Betriebe dar
✅ Betriebe reagieren vor allem mit Effizienzsteigerung, technologischer Anpassung und ökologischen Maßnahmen
✅ Grundlegende strukturelle Veränderungen werden zwar als notwendig erkannt, jedoch nur begrenzt umgesetzt
✅ Es besteht eine wahrgenommene Diskrepanz zwischen gesellschaftlichen Erwartungen und wirtschaftlichen Realitäten
✅ Die vergleichsweise geringe gesellschaftliche Wertschätzung verstärkt das Spannungsfeld zusätzlich

Ihre Studie mit agri experts

Die Befragung wurde im Frühjahr 2026 von agri experts in Auftrag der Universität Osnabrück durchgeführt und die ausführlichen Projektergebnisse werden im Herbst 2026 unter Leitung von Prof. Dr. Martin Franz, Institut für Geographie, und Prof. Dr. Hajo Holst, Institut für Sozialwissenschaften, veröffentlicht. Die Grundgesamtheit umfasst alle Landwirte und Landwirtinnen in Deutschland. Für die Stichprobe wurde über das agri experts Panel sowie die mediale Reichweite des Deutschen Landwirtschaftsverlags rekrutiert. Für individuelle Anfragen zu eigenen Studien wenden Sie sich an Marc Bozigursky über unser Kontaktformular.