Erneuerbare Antriebstechnologien in der Landwirtschaft

Die Landwirtschaft spielt eine zentrale Rolle beim Klimaschutz: Bis 2030 sollen die Treibhausgasemissionen deutlich reduziert und die Ressourcennutzung effizienter gestaltet werden. Gefördert werden innovative Forschungs- und Entwicklungsprojekte durch das Programm „Klimaschutz in der Landwirtschaft“ des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH). Ziel ist es, nachhaltige Lösungen für eine klimafreundliche und zukunftsfähige Landwirtschaft zu entwickeln. Mit ihrem Forschungsvorhaben "Akzeptanz und Effekte von klimafreundlichen Antrieben in der Landwirtschaft (TrAkzeptanz)" ist die Hochschule Weihenstephan-Triesdorf Teil des Förderprogramms des BMLEH.

Lesezeit: 5 Minute | Team agri experts am 13. Mai 2026

Klimafreundliche Traktor mit erneuerbarer Antriebsenergie

Klimaschutz durch erneuerbare Antriebsenergien in der Landwirtschaft

Im Rahmen des Forschungsprojekts „TrAkzeptanz“ der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (HWST) befragte agri experts im Sommer 2025 rund 700 Landwirte zu verschiedenen klimafreundlichen Antriebsenergien für Traktoren. Die Befragung war Bestandteil des Forschungsvorhaben „Akzeptanz und Effekte von klimafreundlichen Antrieben in der Landwirtschaft (TrAkzeptanz)“, welches im Rahmen des Forschungs- und Innovationsprogramms „Klimaschutz in der Landwirtschaft“ des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) gefördert wurde. Zusätzlich rekrutierte die Hochschule Weihenstephan-Triesdorf Teilnehmende per E-Mail über landwirtschaftliche Ausbildungsbetriebe, Fachzeitschriften und verschiedene Verbände und erreichte somit eine Gesamtstichprobe von 1.331 Landwirten.

Zusammensetzung der Stichprobe

Die Stichprobe lässt sich folgendermaßen beschreiben:

  • Geschlecht: 90 % Männlich
  • Durchschnittsalter: 45,9 Jahren
  • Höchster landwirtschaftlicher Bildungsabschluss: Rund ein Drittel (29 %) gab einen Hochschul- bzw. Universitätsabschluss an
  • Position auf dem Betrieb: mehrheitlich Betriebsleiter (70 %)
  • Erwerbsart: 72 % sind Haupterwerbsbetriebe
  • Bewirtschaftung: überwiegend konventionell Bewirtschaftung (77 %)
  • Beteiligung an Anlagen für erneuerbare Energien bei 73 % der Befragten, davon:
    • 69 % Photovoltaik (PV)
    • 20 % Biogas
    • 7 % Windenergie
    • und etwa 4 % an sonstigen Anlagen (z.B. Produktion von Biokraftstoffen, Wasserkraft oder der Produktion von grünem Wasserstoff)

Bekanntheit von Traktoren mit erneuerbaren Antriebsenergien

Der Großteil der befragten Landwirte (93 %) hat bereits von Traktoren mit erneuerbaren Antriebsenergien gehört. Als Informationsquellen wurden hauptsächlich Beiträge in (Fach-)Medien (63 %), Messen wie die Agritechnica (50 %), Social Media (30 %) und klassische Werbeanzeigen in den Medien (20 %) genannt. Darüber hinaus werden persönliche Kontakte, Landwirtschaftskollegen, Aus- und Fortbildungen, Feldtage, Gespräche mit dem Landtechnikhändler, Vorführungen, (Hof-)Influencer oder andere Quellen als Informationsquellen für erneuerbare Antriebsenergien genutzt.

Trotz der hohen Bekanntheit gaben viele Befragte an, bislang keine persönlichen Erfahrungen mit klimafreundlichen Traktoren gesammelt zu haben (11 %: „stimme größtenteils zu“, 54 %: „stimme überhaupt nicht zu“). Lediglich 14 % der befragten Landwirte (5 %: „stimme größtenteils zu“, 9 %: „stimme voll und ganz zu“) gaben an, bereits persönliche Erfahrungen mit Traktoren mit erneuerbaren Antriebsenergien gesammelt zu haben.

Welche Gründe sprechen für oder gegen die Verwendung von klimafreundlichen Traktoren?

Auf die Frage, welche Gründe allgemein für die Verwendung von Traktoren mit erneuerbaren Antriebsenergien in der Landwirtschaft sprechen, nannten die Befragten vor allem folgende Aspekte:

  • Größere Unabhängigkeit des Betriebes durch Eigenversorgung (60 %)
  • Vorteile für Umwelt und Klimaschutz (60 %)
  • Wertschöpfung bleibt in der Landwirtschaft (56 %)
  • Imageverbesserung (41 %)
  • Vorteile für die Gesundheit von Mensch und Tier (41 %)

Als wichtigste Gründe, die gegen eine Verwendung klimafreundlicher Traktoren sprechen, nannten die Landwirte:

  • Höhere Anschaffungskosten im Vergleich zu herkömmlichen Dieseltraktoren (74 %)
  • Kürzere Einsatzzeit bis zur nächsten Betankung bzw. Aufladung (56 %)
  • Fehlendes Angebot an Traktoren mit erneuerbaren Antriebsenergien auf dem Markt (56 %)
  • Fehlende Infrastruktur bzw. Bezugsquellen zur Betankung oder Aufladung (51 %)
  • Investitionsunsicherheiten aufgrund politischer bzw. gesetzlicher Instabilität (50 %)

Insgesamt zeigt sich, dass erneuerbare Antriebsenergien von den Landwirten grundsätzlich positiv bewertet werden. Gleichzeitig verdeutlichen die Gegenargumente, dass insbesondere wirtschaftliche Faktoren und fehlende Infrastruktur die tatsächliche Nutzung erschweren können.

Dennoch gaben zwei Drittel der Befragten (69 %) an, dass sie nach aktuellem Stand der Technik einen Traktor mit erneuerbarer Antriebsenergie für leichte, betriebsnahe Arbeiten, beispielsweise im Stall oder mit einem Frontlader, einsetzen könnten. 58 % können sich den Einsatz eines klimafreundlichen Traktors für leichte Feldarbeiten wie Düngung oder Pflanzenschutz vorstellen.

Wie wird der potenzielle Einsatz von erneuerbaren Antriebsenergien in Traktoren bewertet?

Die befragten Landwirte bewerteten sechs verschiedene erneuerbare Antriebsenergien für Traktoren auf einer siebenstufigen Likert-Skala mit 1 = „stimme überhaupt nicht zu“ bis 7 = „stimme voll und ganz zu“:

  • Erneuerbarer Strom
  • Biodiesel
  • Pflanzenöl
  • HVO (paraffinischer Dieselkraftstoff)
  • Biomethan
  • Grüner Wasserstoff

Insgesamt zeigte sich dabei eine eher neutrale bis leicht positive Einstellung der Befragten. Während erneuerbarer Strom, Biodiesel, Pflanzenöl und HVO eher positiv bewertet werden, erhalten Biomethan und grüner Wasserstoff geringere Zustimmung.

Diagramm mit Mittelwerten der Bewertung des Einsatzes erneuerbarer Antriebsenergien in Traktoren auf dem eigenen Betrieb

Für die Landwirte scheinen vor allem Antriebsenergien infrage zu kommen, die bereits in anderen Branchen etabliert sind. Gleichzeitig fällt auf, dass die Bewertungen insgesamt eher neutral ausfallen und keine deutliche Zustimmung oder Ablehnung gegenüber einzelnen erneuerbaren Antriebsenergien besteht.

Akzeptanz erneuerbarer Antriebsenergien für Traktoren

Die Ergebnisse der Befragung zeigen, dass klimafreundliche Antriebstechnologien in der Landwirtschaft grundsätzlich auf Offenheit und Interesse stoßen. Besonders positiv bewertet werden Lösungen, die den Landwirten mehr Unabhängigkeit ermöglichen und gleichzeitig Umwelt- und Klimaschutzziele unterstützen. Vor allem erneuerbarer Strom, Biodiesel und Pflanzenöl werden als vergleichsweise praktikable Alternativen wahrgenommen.

Gleichzeitig wird deutlich, dass die Akzeptanz stark von wirtschaftlichen und strukturellen Rahmenbedingungen abhängt. Hohe Anschaffungskosten, fehlende Infrastruktur sowie Unsicherheiten hinsichtlich politischer Vorgaben stellen derzeit wesentliche Hemmnisse dar. Die Ergebnisse verdeutlichen zudem, dass viele Landwirte zwar bereits von erneuerbaren Antriebstechnologien gehört haben, jedoch bislang kaum praktische Erfahrungen sammeln konnten.

Auffällig ist außerdem, dass der Einsatz klimafreundlicher Traktoren insbesondere für leichte und betriebsnahe Arbeiten als realistisch eingeschätzt wird. Dies deutet darauf hin, dass erneuerbare Antriebsenergien zunächst schrittweise in bestimmten Einsatzbereichen etabliert werden könnten, bevor ein flächendeckender Einsatz in leistungsintensiven Arbeitsprozessen möglich ist.

Insgesamt zeigt die Studie, dass die Landwirtschaft grundsätzlich bereit ist, sich mit erneuerbaren Antriebstechnologien auseinanderzusetzen. Für eine breitere Akzeptanz und tatsächliche Nutzung sind jedoch technische Weiterentwicklungen, wirtschaftliche Anreize und ein verlässlicher politischer Rahmen entscheidend. Ein Interview mit den Projektleitern Johannes Buchner und Dr. Thomas Decker der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf am Standort in Straubing wurde auf agrarheute veröffentlicht.

Zusammenfassung der Ergebnisse

  • 93 % der befragten Landwirte kennen Traktoren mit erneuerbaren Antriebsenergien.
  • Persönliche Erfahrungen mit klimafreundlichen Traktoren sind bislang jedoch noch selten.
  • Die wichtigsten Vorteile sind mehr Unabhängigkeit durch Eigenversorgung sowie positive Effekte für Umwelt und Klimaschutz.
  • Als größte Herausforderungen gelten hohe Anschaffungskosten, fehlende Infrastruktur und politische Unsicherheiten.
  • Erneuerbarer Strom, Biodiesel und Pflanzenöl werden am positivsten bewertet.
  • Biomethan und grüner Wasserstoff erhalten derzeit geringere Zustimmung.
  • Besonders für leichte, betriebsnahe Arbeiten sehen viele Befragte bereits heute Einsatzmöglichkeiten.
  • Die Ergebnisse zeigen grundsätzlich Offenheit gegenüber erneuerbaren Antriebstechnologien, gleichzeitig besteht weiterhin Entwicklungs- und Investitionsbedarf.