Mehrfachantrag: exklusive Umfrageergebnisse unter Landwirten

Der jährlich im Frühjahr gestellte Mehrfachantrag bündelt landwirtschaftliche Fördermaßnahmen und schafft eine zentrale Datengrundlage, die Kontrollen vereinfacht und Bürokratie reduziert. Trotz dieser Vorteile steht das Verfahren wegen regelmäßiger Anpassungen im Zuge der EU-Agrarreformen und möglicher finanzieller Risiken bei Fehlern in der Kritik. Für viele Betriebe bleibt der Antrag dennoch eine wichtige Einkommensquelle – und wirft die Frage auf, wie Landwirte ihn tatsächlich wahrnehmen.

Trend-Befragung – Lesezeit: 4 Minuten | Team agri experts am 21. April 2026

Landwirt, der ein Tablet in der Hand hält. Der Mehrfachantrag kann digital eingereicht werden.

Trend-Befragung zum Mehrfachantrag: Daten und Struktur

Vierteljährlich befragt agri experts deutsche Landwirte im Rahmen einer Trendstudie zu aktuellen Themen. Die Stichprobe setzt sich aus Panelteilnehmern des Landwirte-Panels von agri experts sowie aus Abonnenten der Marken des Deutschen Landwirtschaftsverlags zusammen. Ergänzend zu den jeweiligen Fokusthemen werden soziodemografische Daten erhoben, um die Ergebnisse einordnen zu können.

Insgesamt nahmen 695 Landwirte an der Befragung teil. Die Struktur der Soziodemographie der Befragten lässt sich dabei wie folgt beschreiben:

  • Bundesländer: Bayern (43 %), Niedersachsen (20 %), übrige Bundesländer < 10 %
  • Betriebszweige:
    • Ackerbau / Marktfruchtbau: 80 %
    • Tierproduktion / Veredelung: 48 %
    • Futterbau: 44 %
    • Forstwirtschaft: 36 %
  • Betriebsgröße: zwei Drittel (69 %) der Befragten bewirtschaften zwischen 21–200 ha

Die Relevanz des Themas „Mehrfachantrag“ ergibt sich insbesondere aus der jährlichen Antragsfrist für Agrarförderungen und Ausgleichszahlungen, die im Zeitraum von März bis Mitte Mai liegt. In diesem Zusammenhang wird regelmäßig über Änderungen berichtet, die sich aus Reformen der Gemeinsamen Agrarpolitik ergeben. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, wie Landwirte den Mehrfachantrag bewerten und ob sich ein übergreifendes Stimmungsbild identifizieren lässt.

Digitale Antragstellung: Viele Landwirte empfinden den Mehrfachantrag als schwierig

Die digitale Antragstellung wird insgesamt unterschiedlich bewertet, tendenziell jedoch eher als herausfordernd wahrgenommen.

Differenzierte Auswertung des Balkendiagramms "Wie bewerten Sie die digitale Antragstellung insgesamt" nach den Altersgruppen "Unter 30 Jahre und 30 bis 44 Jahre" und "45 bis 59 Jahre und 60 Jahre oder älter" jeweils mit einer 5er-Skala von "Sehr schwierig" bis "Sehr einfach"

38 % der Befragten (Bottom-Box) stufen den Prozess als schwierig oder sehr schwierig ein. Ebenfalls rund ein Drittel (Top-Box: 31 %) bewertet den Prozess als einfach oder sehr einfach.

Eine differenzierte Betrachtung nach Altersgruppen zeigt leichte Unterschiede: Befragte ab 45 Jahren empfinden die Antragstellung häufiger als schwierig (37 %) oder sehr schwierig (5 %) als jüngere Landwirte. Dennoch lässt sich keine eindeutige Altersabhängigkeit feststellen. Vielmehr ist davon auszugehen, dass weitere Faktoren – etwa Betriebsgröße, digitale Affinität oder der Zugang zu externer Unterstützung – das subjektive Empfinden maßgeblich beeinflussen.

Insgesamt verdeutlichen die Ergebnisse, dass eine pauschale Bewertung der digitalen Antragstellung nicht möglich ist.

Wer füllt den Mehrfachantrag aus?

Mit einer deutlichen Mehrheit von 75 % wird der Mehrfachantrag von den Befragten allein ausgefüllt. Lediglich 16 % der befragten Landwirte übergeben die Antragstellung an einen externen Dienstleister. Knapp jeder 10. Befragte (9 %) füllt den Antrag anderweitig aus.

Kreisdiagram zur Frage "Füllen Sie den Mehrfachantrag allein aus oder übernimmt dies ein externer Dienstleister (z.B. Steuerberater) für Sie?" mit den Antworten "Ich fülle den Antrag alleine aus", "Ich habe einen externen Dienstleister beauftragt" oder "Sonstiges"

Die offenen Nennungen relativieren jedoch dieses Bild: Häufig wird der Antrag zwar eigenständig bearbeitet, im Anschluss jedoch durch Familienmitglieder oder externe Fachstellen überprüft oder ergänzt. Als zentrale Unterstützungsstrukturen werden insbesondere Beratungsangebote der Landwirtschaftskammern, Beratungsringe, Landberatungen sowie des Bauernverbands genannt. Dies deutet darauf hin, dass die Antragstellung in der Praxis häufig als kooperativer Prozess organisiert ist.

Ökoleistungen im Mehrfachantrag: Mehrheit plant keine Änderungen

Knapp zwei Drittel der befragten Landwirte (61 %) geben an, Ökoleistungen im Mehrfachantrag zu beantragen, während 35 % keine entsprechenden Maßnahmen nutzen.

Kreisdiagramm zur Frage "Beantragen Sie Ökoleistungen im Mehrfachantrag" mit den Antwortoptionen "Ja", "Nein" oder "Weiß nicht"
Kreisdiagramm zur Frage "Haben Sie vor, den Mehrfachantrag in Bezug auf Ökoleistungen dieses Jahr zu ändern?" mit den Antwortoptionen "Ja", "Nein" oder "Weiß nicht"

Von denjenigen, die Ökoleistungen beantragen, plant die Mehrheit (72 %) keine Änderungen im aktuellen Antragsjahr. 21 % beabsichtigen Anpassungen, während 7 % noch unentschlossen sind.

Haltung der Landwirte zum Agrarantrag

40 % der Befragten betrachten die Antragstellung als Teil ihrer regulären betrieblichen Abläufe. Gleichzeitig fühlen sich 46 % durch den Antrag kontrolliert, und 41 % sehen ihre unternehmerischen Entscheidungen eingeschränkt. Ein Drittel der Befragten (34 %) empfindet den Antrag als belastend oder störend. Zudem berichten 19 % von Verunsicherung im Umgang mit den Anforderungen. Lediglich 3 % der Landwirte geben an, die Antragstellung als positiv zu erleben.

Balkendiagramm zur Mehrfachauswahlfrage "Welche Haltung haben Sie dem Agrarantrag grundsätzlich gegenüber?"

Zeitaufwand und Nachkontrollen: Zusätzliche Belastungsfaktoren

Rund zwei Drittel der Befragten (64 %) benötigen für die Antragstellung bis zu einem Arbeitstag (ca. 8 Stunden). Weitere 17 % geben an, etwa zwei Arbeitstage (ca. 16 Stunden) aufzuwenden. 7 % der Befragten benötigen drei Arbeitstage (ca. 24 Stunden) und 4 % mehr als drei Arbeitstage. Die verbleibenden 8 % nennen überwiegend geringere Zeitaufwände.

Kreisdiagramm zur Frage "Wie viel Zeit benötigen Sie durchschnittlich für die Antragstellung?"
Kreisdiagramm zur Frage "Haben Sie Angst vor Nachkontrollen?" mit den Antwortoptionen "Ja", "Nein" oder "Weiß nicht"

Darüber hinaus äußert mehr als ein Drittel der Befragten (37 %) Bedenken hinsichtlich möglicher Nachkontrollen, während die Hälfte (50 %) angibt, keine Angst zu haben.

Welches Stimmungsbild zeichnet sich ab?

Die Ergebnisse der Trend-Befragung zeichnen ein insgesamt ambivalentes Stimmungsbild gegenüber dem Mehrfachantrag. Zwar gibt eine deutliche Mehrheit der befragten Landwirte an, den Antrag eigenständig auszufüllen, jedoch relativieren die offenen Nennungen dieses Bild: In der Praxis handelt es sich häufig um einen hybriden Prozess, bei dem externe Beratungsangebote oder familiäre Unterstützung zumindest punktuell eingebunden werden. Dies deutet darauf hin, dass die Antragstellung zwar formal eigenständig erfolgt, faktisch jedoch auf Unterstützungsstrukturen angewiesen ist.

Auch die Bewertung der digitalen Antragstellung unterstreicht diese Ambivalenz. Während rund ein Drittel der Befragten keine Schwierigkeiten sieht, empfindet ein ähnlich großer Anteil den Prozess als herausfordernd. Altersunterschiede verstärken diesen Eindruck, liefern jedoch keine eindeutige Erklärung. Vielmehr ist davon auszugehen, dass betriebliche Rahmenbedingungen, Erfahrung und Zugang zu Beratung eine entscheidendere Rolle spielen.

Besonders aufschlussreich ist die grundsätzliche Haltung zum Mehrfachantrag: Die überwiegend neutrale bis kritische Wahrnehmung zeigt, dass der Antrag weniger als Chance, sondern vielmehr als notwendige Pflichtaufgabe betrachtet wird. Gefühle von Kontrolle, Einschränkung und Frustration sind weit verbreitet, während positive Emotionen kaum eine Rolle spielen. Gleichzeitig bleibt der Antrag aufgrund seiner finanziellen Bedeutung ein unverzichtbares Instrument, was zu einem Spannungsfeld zwischen ökonomischer Notwendigkeit und bürokratischer Belastung führt.

Fazit

Der Mehrfachantrag ist für landwirtschaftliche Betriebe ein unverzichtbarer Bestandteil der Betriebsführung, wird jedoch überwiegend als bürokratische Belastung und weniger als unterstützendes Instrument wahrgenommen. Die Ergebnisse zeigen klar: Trotz zunehmender Digitalisierung und Vereinheitlichung besteht weiterhin ein hoher Bedarf an Vereinfachung, Transparenz und Unterstützung, um die Akzeptanz langfristig zu erhöhen.